Heute, am 23. Januar, ist der Tag der Handschrift. Auch wenn Handschrift und Handlettering zwei grundverschiedene Dinge sind – im Zweifelsfall zeige ich gerne mal meine krakeligen Notizen – möchte ich diesen Tag zum Anlass nehmen, um Revue passieren zu lassen, wie ich zur Buchstabenmalerei gekommen bin und welche Lebenslektionen ich daraus ziehen konnte.

Du willst direkt zu meinen Erkenntnissen springen, die ich durch das Handlettering gesammelt habe?
3 wichtige Tipps, wenn du dabei bist, dir eine neue Fähigkeit anzueignen

Wie ich zum Handlettering kam

Manchmal ergeben sich Gelegenheiten im Leben, von denen man erst rückblickend erkennt, welche Kaskade an Veränderungen sie eigentlich ausgelöst haben. Ich bin wirklich dankbar für all die Gelegenheiten, die teilweise ganz unerwartet spannende Impulse in mein Leben gebracht haben.

Danken ist eine Liebeserklärung an das Leben – Irina Rauthmann

Vom ganz spontanen Sketch Note Workshop…

Ende 2015 fand bei uns im Büro ein Inhouse-Workshop zum Thema Visual Thinking mit Tanja Cappell alias Frau Hölle statt. Damals arbeitete ich noch als Softwareentwicklerin und hatte den Zugang zu Stift und Papier ehrlich gesagt ein wenig verloren

In diesem Workshop landete ich nur, weil wenige Tage vorher noch einige freie Plätze verfügbar waren, mich ein Kollege darauf ansprach und ich ganz intuitiv und spontan zusagte. Von Visual Thinking oder Sketch Notes hatte ich noch nie was gehört und googelte die beiden Begriffe erst nach meiner Zusage – kein Scherz.

Der zweitägige Workshop machte nicht nur unglaublich viel Spaß, sondern löste auch etwas in mir aus. Plötzlich begann ich wieder Stifte in der Hand zu halten und zu kritzeln. Etwas, das ich als Kind und Jugendliche sehr gerne getan hatte, das aber aufgrund meiner perfektionistischen Ansprüche ziemlich verloren gegangen war.

…zu den ersten Challenges

Durch meine neu gewonnene Begeisterung für die Bildsprache machte ich dann im Dezember 2015 bei den 24 Doodles mit, einer Sketch Note Adventskalender Challenge von Frau Hölle, und fand bereits da ersten Gefallen an der Buchstabenmalerei.

Zu der Zeit war Handlettering in Deutschland gerade erst am Aufblühen und die Handlettering-Ikone Frau Hölle selbst noch ein Neuling in dem Bereich. Mit ihrer unfassbar mitreißenden Leidenschaft inspirierte Frau Hölle durch ihre Instagram Beiträge, Blog Posts und Videos sehr viele Menschen – darunter auch mich.

Im Januar 2016 rief sie die #letterattackchallenge, die erste deutsche Lettering Challenge, ins Leben, wodurch ich mich dann endgültig mit dem Handlettering-Virus infizierte. Ich malte stapelweise Papier mit Buchstaben voll und killte massenhaft Pinselstifte. Ich probierte verschiedenste Techniken aus und entwickelte mit der Zeit sowas wie einen eigenen Stil.

Und heute?

Auch heute noch, ganze vier Jahre später, ist Handlettering Teil meines Lebens. Beruflich wie privat. Zwar betreibe ich es nicht mehr ganz so exzessiv wie zu meinen Anfangszeiten, aber es ist ein alltägliches Werkzeug, das ich sehr gerne nutze. Es hilft mir in meiner Tätigkeit als Scrum Master bei der Gestaltung von Flipcharts immens und meinem Blog meinimalismus.de verleihen meine Letterings eine ganz besondere persönliche Note.

Weiterführende Blog Posts zum Thema Handlettering

Eine Reise durch den Dschungel der Handlettering-Materialien
Meine Materialempfehlungen, wenn du mit dem Handlettering beginnen möchtest.

#MoreMoments 11: Handlettering. Kunstvolle Entschleunigung
Ein Gastbeitrag für das Blogazin Minimalismus21 für die Reihe #MoreMoments

3 wichtige Dinge, die ich durch das Handlettering gelernt habe

Neben den praktischen Einsatzmöglichkeiten habe ich durch das Handlettering aber auch einiges gelernt, was das Erlernen einer neuen Fähigkeit betrifft:

#1: Begeisterung ist alles

Du musst kein besonderes Talent haben, um eine neue Fähigkeit zu erlernen, sondern vor allem Geduld und Durchhaltevermögen. Es ist die regelmäßige, millionenfache(!) Wiederholung, die die neue Fähigkeit reifen lässt, nicht irgendwelche vom Himmel gefallenen Talente.

Um etwas derart oft immer und immer wieder zu wiederholen, brauchst du daher vor allem eins: Begeisterung. Der Rest kommt durch die Übung.

#2: Perfektion ist ein Trugschluss

Du kannst nicht etwas beginnen, das du noch nicht (gut) kannst, und direkt perfekte Ergebnisse erwarten. Es ist völlig normal, wenn eine neue Sache anfangs schwer fällt und alles andere als perfekt läuft. Nur durch das Unvollkommene kannst du Lerneffekte ziehen und dich verbessern.

Sowieso ist Perfektion ein Trugschluss. Dein härtester Richter bist du selbst. Was andere Menschen bewundernd betrachten, siehst du selbst dennoch meist mit überkritischem Blick.

Erst wenn du erkannt hast, dass es den vermeintlichen Meistern genauso geht, kannst du beginnen, deine Ergebnisse und Versuche mit sanftem Blick zu betrachten und den selbstgemachten Druck loszulassen.

#3: Vergleiche machen unglücklich

Vermeide, so gut es geht, den Vergleich mit anderen. Vergleiche zu ziehen, ist ein Garant für Unzufriedenheit. Suche dir als Anfänger erfahrene Vorbilder zur Orientierung, aber vergleiche dich nicht mit ihnen. Zwischen euch liegen Welten – Welten von Wiederholungen. Du kannst nicht erwarten, mit einem Bruchteil an Erfahrung, die qualitativ selben Ergebnisse zu erzielen.

Wenn du dich schon unbedingt mit jemandem vergleichen möchtest, dann bitte mit dir selbst. Vergleiche deine früheren Ergebnisse mit den jetzigen und feiere deine Verbesserungen und Erfolge. Sei stolz auf den Weg, der hinter dir liegt. Denke an deine Anfänge und an das, was du seither erreicht hast.

Kurzum: Übung macht den Meister.

Ja, ich hätte die drei Tipps auch einfach in diesem einen Satz zusammenfassen können. Aber das wäre ein bisschen arg abgedroschen gewesen, denkst du nicht? ;-)


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Frau Lyoner