Leider habe ich es neulich versäumt, bei Christofs Round-Up-Post zum Thema Minimalistisch und achtsam durch die Weihnachtszeit mitzumachen. Also verpacke ich heute meine Gedanken und Grinch-artigen Weihnachtsgrüße einfach in einen eigenen Blog Post.

Weihnachten, das Fest der Erwartungen

Fernab vom ganzen Konsumwahnsinn, dem man zur Weihnachtszeit nur allzu leicht verfallen kann, sehe ich einen weiteren großen Stressfaktor in überzogenen Erwartungen und verkrampften Vorstellungen, wie die Weihnachtstage auszusehen haben. Was ich damit meine, möchte ich in drei kurzen Beispielen aufzeigen, die sich theoretisch beliebig erweitern oder vertiefen lassen:

Beispiel #1: »Wieso verbringen wir Heiligabend schon wieder bei deinen Eltern?«

Bereits im Vorfeld können sich regelrechte Dramen abspielen, wenn die Frage aufkommt, wer mit wem wie wo Weihnachten verbringt. Gerade bei Paaren kann diese Frage zu brisanten Loyalitätskonflikten und anstrengenden Diskussionen führen: Welche Familienseite hat Vorrang und warum?

Beispiel #2: »Es muss alles perfekt sein.«

Wer den Anspruch hat, den perfekten Gastgeber mimen zu müssen, für den können die Weihnachtstage leicht zum kulinarischen Spießrutenlauf werden. Die Zubereitung eines aufwändigen 5-Gänge-Menüs, das sowohl Volker Vegan als auch Fritzi Fleischfresser munden soll, inklusive filigranst geplanter Tischdeko, kann nervenaufreibend sein. Wehe, da brennt auch nur ein Fitzelchen an oder die farblich abgestimmten Servietten gehen zur Neige. Perfektionismus bietet schier endlosen Raum für potentielle Enttäuschungen und damit verbundene emotionale Katastrophen.

Beispiel #3: »Es ist schließlich Weihnachten.«

Weihnachten ist eine magische Zeit. So kommt es, dass sich in manchen Fällen ein Haufen Menschen versammelt, der sich unter’m Jahr – und das meist sogar aus gutem Grund – kaum bis gar nicht sieht. Auf engstem Raum wird dann gemeinsam gespeist und zelebriert in der Erwartungshaltung, dass sich möglichst alle lieb haben sollen. Denn Weihnachten ist ja das Fest der Liebe und da sollte man um des Friedens willen auch lächelnd darüber hinwegsehen, wenn Onkel Heinz mal wieder seine Nazi-Gesinnung raushängen lässt, oder…?

Weihnachten, eine Chance für Achtsamkeit

Ja, ich gebe es zu, aus diesen Zeilen spricht ein echter Grinch. Jedoch nicht aufgrund des Weihnachtsfests an sich, sondern aufgrund all der Erwartungen, mit denen diese Zeit des Jahres aufgeladen sein kann. Ich finde es schade, dass man gerade zur Weihnachtszeit nur allzu leicht vergisst, innezuhalten und sich ehrlich zu fragen:

  • Was will ich eigentlich?
  • Wie möchte ich diese Zeit des Jahres wirklich verbringen?
  • Was ist mir wichtig und was nicht?

Traditionen und gesellschaftliche Gepflogenheiten können schön sein. Wenn sie zum eigenen Lebenskonzept und Wertebild passen, dürfen und sollen sie gerne fortgeführt und erweitert werden. Aber eben nicht um jeden Preis. Gewohnheiten sollten auch stets hinterfragt, angepasst oder sogar ganz aufgegeben werden können, wenn sie mehr Stress als Freude bringen.

Ein minimalistisches Weihnachtsfest bedeutet für mich daher vor allem, überzogene Ansprüche und fremdbestimmte Erwartungen loszulassen.

In diesem Sinne wünsche ich dir besinnliche und achtsame Weihnachtstage, die du hoffentlich so gestalten kannst, wie es zu dir und deinen individuellen Vorstellungen und Bedürfnissen passt.

Wenn die stille Zeit vorbeit ist, dann wird es auch endlich wieder ruhiger. – Karl Valentin

Komm gut durch diese stille Zeit!

Hat dir der Artikel gefallen?

Dann teile ihn doch in deinen sozialen Netzwerken und/oder hinterlasse mir einen Kommentar!

Frau Lyoner