Mein letzter Beitrag ist bald zwei Monate her. Und das nicht, weil ich nichts zu sagen oder keine Zeit gehabt hätte.

Vielmehr lag mein virtueller Rückzug an meinem langjährigen Freund und Begleiter, dem Perfektionismus. Gefangen in einer meiner altbekannten Perfektionismus-Schockstarren war ich unfähig oder eher unwillig, einen Beitrag zu veröffentlichen. Dabei gammelte schon seit Wochen ein fertiger Beitrag auf meinem Rechner herum.

Gedanken sind wie Nudeln. Man macht sich grundsätzlich zu viele.

In meinem Kopf traf sich ein Potpourri an überzogenen selbstanklagenden Gedanken und feierte eine wilde Sause:

Mit welcher Berechtigung schreibe ich eigentlich über Themen aus dem Bereich Zero Waste, wenn ich doch so vieles (noch) falsch mache und einfach grundsätzlich und in jeder Lebenslage ein super inkonsequenter Mensch bin? Außerdem habe ich im Vergleich zu all den Profis, die sich im Netz tummeln, doch eigentlich null Ahnung. Müsste ich da nicht eher meinen (virtuellen) Schnabel halten, statt so zu tun, als hätte das, was ich tue und schreibe, irgendeinen Sinn?

“Ganz schön bescheuerte Einstellung. Jeder hat mal klein angefangen. Auch die vermeintlich allwissenden Profis. Schreib doch über deine Fortschritte und ermutige andere dadurch, ebenfalls kleine Schritte zu gehen und dadurch insgesamt ein bisschen was am großen Ganzen zu verändern.”

Sowas in der Art würde ich definitiv demjenigen entgegnen, der mir solche selbstkasteienden Gedanken schildern würde. Aber bei mir selbst ist die Messlatte natürlich galaktisch hoch.

Danke, lieber Perfektionismus.

Was würde ich bloß ohne dich tun? Vermutlich mir ein weltklasse Leben in völlig ausreichender Mittelmäßigkeit erlauben, statt mich ständig in einem Drang von Selbstgeißelung niederzumachen und ungenügend zu fühlen.

Wenn ich hier schon über meinen Weg zu einem minimalistischen Leben blogge und sich Minimalismus um Verzicht auf Überflüssiges dreht, dann bist du, lieber Perfektionismus, eigentlich ganz vorne mit dabei auf meiner persönlichen Anti-Gästeliste.

Pack doch bitte dein Köfferchen voller Zweifel und überzogener Ansprüche und verlasse meinen Kopf. Ich bringe dich noch zur Tür und dann machst du einfach mal einen kleinen Erholungsurlaub. Schlürf doch einen Cocktail am Strand oder so. Und ich schreibe derweil in Ruhe meine Beiträge weiter, in Ordnung?

Denn ok ist echt ok. Und gut ist wirklich gut genug.

Aber damit du dich etwas besser entspannen kannst, komme ich dir ein klein wenig entgegen und spreche ab jetzt einfach von Less Waste und Müllvermeidung statt von Zero Waste. Das hilft uns beiden, ein wenig aufzuatmen, denkst du nicht auch?

Es braucht nicht eine Handvoll Leute, die Zero Waste perfekt umsetzen, sondern eine Masse an Menschen, die umdenken und viele kleine und große Dinge unperfekt machen.

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Frau Lyoner