Alles hat mit dem Lesen eines Artikels über Plastikvermeidung im Alltag angefangen. Ich kann nicht mal mehr sagen, was für ein Artikel das genau war. Bis dato hatte ich gedacht, so schlimm könne unser Lebenswandel in Sachen (Plastik-)Müll schon nicht sein. Doch mit jedem weiteren Artikel, den ich las – und es wurden einige – fühlte ich mich schlechter. Ich war erschüttert über all das Ausmaß und über meine grenzenlose Naivität. So viele Dinge, über die ich vorher nicht nachgedacht hatte. So viele Verhaltensweisen, die wir in unserem Alltag verbessern könnten – und sollten!

Bäm, ich war voll in der Mikroplastik-Krise.

Egal, wo ich hinging, das Plastik verfolgte mich auf Schritt und Tritt. Überall unnötige Einwegverpackungen und verschmutzte Straßen und Wege. Vor lauter Überforderung und Selbstvorwürfen war ich fast soweit, komplett zu resignieren und die Flinte ins Korn zu werfen. So vieles, was wir falsch machten, niemals würde es uns möglich sein, das alles zu ändern.

Erinnerst du dich noch an meinen Artikel über Selbstsabotage? Diesen habe ich genau aus oben genannten Gründen geschrieben und mir vorgenommen:

OK, ich habe viel falsch gemacht, ich werde weiterhin viel falsch machen, aber zumindest kann ich versuchen, einige Baustellen anzugehen, die in meiner Macht liegen, statt einfach weiterzumachen wie bisher.

Wenn wir es wegwerfen, ist es nicht weg, sondern nur anderswo.

3 Dinge, die ich über Mikroplastik einfach nicht wusste

Dass Mikroplastik ein echtes Problem sei, das hatte ich zumindest schon mal gehört. Trotzdem war mir das Ausmaß der Problematik echt nicht bewusst. Na gut, kaufe ich halt keine Kosmetika, die Mikroplastik enthalten, dann wird das schon passen. Von wegen! Ich war ja sooo naiv…

1. Bio, fancy und hipp ist kein Garant für Mikroplastikfreiheit

Im Zuge meiner Leserei zum Thema (Plastik-)Müll habe ich mir die App Codecheck zugelegt, um allerlei unserer im Haushalt befindlichen Drogerieartikel zu checken. Was dabei herauskam, hat mich wirklich schockiert.

Ich war seit Jahren großer Fan der Duschgels von Treaclemoon. Toller Duft, schicke Verpackung und Werbeslogans wie “vegan”, “tierversuchsfrei” und sonstwas. In meiner Naivität bin ich davon ausgegangen, dass das sicherlich eine Marke sei, der die Umwelt am Herzen liegen müsste, und deren Produkte wohl kaum mit Mikroplastik gespickt sein könnten. Tja, falsch gedacht. Ich weiß nicht, ob wirklich alle Produkte Mikroplastik enthalten, unser Duschgel aber jedenfalls schon.

Doch Mikroplastik als Inhaltsstoff hin oder her – ständig neue Verpackungen für Duschgels, Shampoos etc. zu kaufen, ist ohnehin nicht der nachhaltigste Weg. Auch wenn das bei mir erst jetzt angekommen ist. Doch besser spät als nie. Ich weiß nicht, wie viele meiner Produkte ich langfristig in einer plastikfreien Alternative finden oder vielleicht sogar selbst herstellen werde, aber zumindest habe ich jetzt mal mit DIY Badreiniger, einem festen Seifenstück und einer Deocreme begonnen. Diese drei Dinge werden vermutlich eine halbe Ewigkeit halten und damit auf jeden Fall schon mal einiges an Plastikmüll reduzieren.

2. Milchprodukte gibt’s auch im Pfandglas

Es ist wirklich sooo naheliegend und trotzdem war’s irgendwie nicht in meiner Hirnreichweite. Warum lauter Müll durch Joghurt in Plastikbechern und Milch im Tetra-Pak erzeugen, wenn man genau so gut beides in Pfandgläsern bekommt?

Ohne Quatsch, ich wusste vorher einfach nicht, dass sowohl Milchflaschen als auch Joghurtgläser tatsächlich Mehrweg sind und man diese gar nicht zum Altglas bringen muss. Vom Umweltaspekt her also mega sinnvoll, wenn man schon nicht auf Milchprodukte verzichten möchte.

3. Weg mit den Mikrofasertüchern

Nachdem ich über Mikroplastik aus Textilien gelesen hatte, klang es für mich total einleuchtend. Trotzdem wäre ich da im Leben nie von selbst draufgekommen. Beim Waschen von synthetischen Textilien lösen sich (kleinste) Fasern. Diese landen im Wasser und am Ende im Meer. Und was sind diese winzigen Kunstfasern letztendlich? Genau, Mikroplastik.

Ich habe zum Putzen sehr gerne Mikrofasertücher verwendet, u.a. mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass es sicherlich umweltfreundlich sei, weil ich kaum/kein Putzmittel benötige. Bloß doof, dass Mikrofasern nun mal leider Kunstfasern sind und sich sicherlich nicht nur in der Waschmaschine, sondern auch beim Putzen lösen. Nach dieser Information war ich nicht mehr in der Lage Mikrofasertücher zu verwenden und bin zum Putzen komplett umgestiegen auf Tücher aus 100% Baumwolle.

Klar, ich besitze auch Kleidungsstücke, die zumindest einen gewissen Anteil an Kunstfasern haben. Aber alles sofort zu entsorgen, das fände ich jetzt auch nicht den unbedingt nachhaltigsten Weg. Stattdessen bin ich nun am Überlegen, mir einen Guppyfriend zuzulegen. Dies ist ein spezieller Waschbeutel, der so engmaschig ist, dass er gelöste Fasern auffängt, damit diese nicht ins Wasser gelangen. Ich bin da allerdings noch etwas skeptisch, ob das wirklich taugt und nicht bloß Geldmacherei ist. Falls zufällig jemand seine Erfahrung damit gemacht hast, freue ich mich über einen Kommentar!

Nur der Anfang…

Mein Weg zu weniger (Plastik-)Müll hat gerade erst begonnen. Von Zero Waste bin ich noch Lichtjahre entfernt und ein gefühlt unüberwindbarer Berg an Wissenslücken und Umdenken liegt vor mir. Doch mit jedem Tag wächst das Bewusstsein und Bestreben, noch ein paar mehr Baustellen anzugehen. Ich denke, auch viele kleine Schritte können letztlich zu großer Veränderung führen. Die minimalistische Haltung und das Hinterfragen des eigenen Konsums (Brauche ich das wirklich?) werden durch die Auseinandersetzung mit der Müll-Thematik auf jeden Fall noch deutlich präsenter.

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Frau Lyoner