Direkt zum Hauptbereich

Wie viel darf man noch besitzen, um als Minimalist zu gelten?

Besitze ich weniger als 100 Dinge? Ist mein Kleiderschrank eine Capsule Wardrobe? Lebe ich in einer Wohnung ohne jeglichen Krimskrams? All diese Fragen kann ich mit einem ganz klaren Nein beantworen.

Also was macht mich eigentlich zur Minimalistin?

Der Duden formuliert den Begriff Minimalismus folgendermaßen:
Substantiv, maskulin - bewusste Beschränkung auf ein Minimum, auf das Nötigste
Ich habe seit Kindesbeinen an unheimlich gern auf Flohmärkten gestöbert und mir allerlei Dinge zugelegt. Meine Regale und Fensterbretter standen voll mit Tonfiguren, Kerzenhaltern und anderem Kram. Mit der Volljährigkeit und neuer Wohnsituation begann ich aus Bequemlichkeitsgründen allmählich meine Besitztümer zu reduzieren und für freie Flächen zu sorgen. Von Minimalismus wusste ich da noch nichts. Mir ging es bloß darum, meine Bude mit möglichst wenig Aufwand ordentlich und sauber zu halten. Das Reduzieren meiner Besitztümer war ein jahrelanger Prozess, aber einen Zustand, mit dem ich langfristig zufrieden war, erreichte ich nicht.

Die Dinge und ich

Als ich dann 2015 auf die KonMari Methode stieß, begann eine Welle der Entrümpelung neuen Ausmaßes. Statt mich ausschließlich mit den Dingen in meiner Umgebung auseinanderzusetzen, rückte der Fokus auf mich selbst. Wer bin ich eigentlich? Was gefällt mir? Was ist mir wichtig? In mir manifestierte sich fortschreitend stärker das Gefühl, eine Gefangene meines Besitzes zu sein. Die Dinge schienen mich zu besitzen, statt umgekehrt.
  • Ich kaufte mir Bücher, von denen ich glaubte, sie besitzen zu müssen, um als klug und belesen zu gelten. Manche davon habe ich nicht einmal gelesen.
  • Ich kaufte mir Kleidung, in der ich mich nicht wohlfühlte, die ich aber glaubte, tragen zu müssen, um einem bestimmten Bild von Weiblichkeit zu entsprechen. Getragen habe ich die Sachen dann nur selten bis gar nicht.
  • Alles, was ich je geschenkt bekam, behielt ich. Selbst wenn ich die Dinge nicht benötigte oder so scheußlich fand, dass ich sie in dunklen Schrankecken versteckte. Aber es waren schließlich Geschenke und diese mussten aus einer Mischung von Dankbarkeit und Schuldgefühlen behalten werden.
Das Entrümpeln im Äußeren stieß ein Entrümpeln im Inneren an. Teilweise fühlte es sich an wie ein Befreiungsschlag. Ich ließ nicht bloß materielle Gegenstände los, sondern auch immaterielle Lasten. Erwartungen von außen, sowie selbstgemachte Erwartungen an mich selbst. Das Loslassen gab mir die Chance, mich intensiv mit der Frage auseinanderzusetzen: Wer bin ich und wer will ich sein?

Minimalismus bereichert das Leben!

Eine Sache der Definition

Verkäufe auf Anzeigenportalen, Spenden ans Sozialkaufhaus und Entsorgen von offensichtlichem Müll - Regalfächer und Schränke leerten sich kontinuierlich. Trotz allem behauptete ich steif und fest, kein Minimalist zu sein. Bei dem Begriff Minimalismus hatte ich eine seltsam anmutende Vorstellung im Kopf: Eine lichtdurchflutete Altbauwohnung mit Parkettboden, in der sich nichts weiter als eine Matratze und Topfpflanze befindet.

Erst durch das Buch Minimalismus: weniger besitzen, mehr leben von Pia Mester begriff ich, wie vielschichtig Minimalismus eigentlich ist. Mir wurde klar, dass Minimalismus bereits mehrere Jahre ein zentrales Thema in meinem Leben gewesen war, auch wenn ich es selbst nicht wusste. Kurz darauf rief ich diesen Blog ins Leben, um meine (persönlichen) Erfahrungen zu diesem Thema zu teilen.

In meinen Augen ist Minimalismus ein Weg, kein Ziel. Es ist eine Art zu leben. Es geht nicht darum, möglichst spartanisch zu leben und nie wieder zu konsumieren. Die zentralen Punkte sind Achtsamkeit und bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsum, persönlichen Prioritäten und Werten. Unbedachter Konsum ist oft nur eine Ersatzbefriedigung, die den Blick für das Wesentliche vernebelt.

Und jetzt?

Es gibt einige wenige Ecken in meinem Zuhause, die ich gerne noch minimieren und optimieren würde. Seit geraumer Zeit lebe ich allerdings endlich in einem Zustand der Zufriedenheit, was die mich umgebenden Dinge betrifft. Trotzdem könnten es für meinen Geschmack noch weniger Besitztümer sein, auch wenn ich kein Leben aus dem Rucksack oder ein bestimmtes Limit von Gegenständen anstrebe. Doch ich lebe eben nicht alleine, sondern mit Tochter und Ehemann. Mir ist wichtig, beim Reduzieren gewisse Grenzen zu wahren und nicht in ein übergriffiges Verhalten abzudriften. Ich habe zu Genüge vor meiner eigenen Haustür zu kehren.

Mein Zuhause beherbergt nach wie vor relativ viele Dinge. Trotz allem würde ich mich selbst als Minimalistin bezeichnen. Jeden Tag setze ich mich bewusst damit auseinander, was das Wesentliche in meinem Leben ist. Was ist mir wichtig? Was macht mein Leben leichter, was erschwert es? Diese Fragestellung schließt nicht nur materielle Dinge ein, sondern auch Aktivitäten, die persönliche Geisteshaltung und sogar Menschen. Wie und mit wem verbringe ich meine begrenzte Zeit auf Erden? Wovon möchte ich mehr, wovon weniger? Der Fokus rückt weg von den leblosen Gegenständen auf das Wesentliche. Dies ist - zumindest für mich - die eigentliche Essenz des Minimalismus.

Hat dir der Artikel gefallen?

Dann teile ihn doch mit deinen Freunden und/oder hinterlasse mir einen Kommentar!

Hi, ich bin Aljona alias Frau Lyoner. In diesem Blog berichte ich von meinen Strategien und Erfahrungen im Kampf gegen Gedankenchaos und Unordnung auf meinem Weg zu einem minimalistischen Leben.