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Eine Reise durch den Dschungel der Handlettering-Materialien

Wie man an meinen Beiträgen bzw. den zugehörigen Bildern unschwer erkennen kann, schlägt mein Herz für die Buchstabenmalerei, gemeinhin auch bekannt als Handlettering. Seit Ende 2015 bin ich diesem kreativen Hobby restlos verfallen. Mit Worten zu jonglieren und Buchstaben tanzen zu lassen ist meine Art der Entspannung und kreativen Entfaltung. Ich feile stetig an meinem Können und Stil und lade regelmäßig Ergebnisse auf meinem Instagram Profil hoch.


Im Bann der Buchstaben

Handlettering ist unheimlich abwechslungsreich mit einem vielfältigen Repertoire an möglichen Werkzeugen und Techniken. Die immense Auswahl birgt allerdings besonders für Anfänger die Gefahr, sich im Dschungel der unterschiedlichen Materialien zu verzetteln und zu viele (unnötige) Anschaffungen zu tätigen. Ich persönlich rate dazu, lieber einzelne Stifte und Techniken auszuprobieren und sich nach und nach bewusst für jenes Werkzeug zu entscheiden, mit dem man ein gutes Gefühl hat. Es muss sich für einen selbst stimmig anfühlen. Nur weil jemand anderes beispielsweise für einen bestimmten Stift schwärmt, muss es für einen selbst nicht unbedingt das Mittel der Wahl sein. Letztlich macht sowieso kein Werkzeug der Welt - und mag es noch so hochwertig oder teuer sein - aus einem Anfänger einen Meister. Die wichtigsten Zutaten beim Handlettering sind Freude, Zeitinvest und Beharrlichkeit. Das eigentliche Werkzeug ist im Grunde zweitrangig. Hier gilt gerade für den Anfang: Weniger ist mehr.

Mit diesem Beitrag möchte ich meine persönlichen Erfahrungen zu verschiedenen Materialien schildern und vor allem Anfängern einen Überblick aufzeigen, welche Werkzeuge welche Möglichkeiten bieten. Ich selbst habe zu meinen Anfangszeiten den Fehler gemacht, mir viel zu viele unterschiedliche Materialien zuzulegen. Ich war stets auf der Suche nach “dem perfekten Stift”, da ich dem Irrglauben erlegen war, ich bräuchte nur das richtige Werkzeug, dann würden meine Ergebnisse gleich viel besser aussehen. Diese illusorische Abkürzung funktioniert aber leider nicht. Das Rezept heißt Üben, Üben, Üben. Kein Stift kann dir das abnehmen.

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Im Folgenden verweise ich auf bestimmte Materialien mit Links. Allerdings beruhen alle Empfehlungen auf meiner ganz persönlichen Erfahrung. Alle Materialien sind selbst gekauft. Hier ist nichts beauftragt, bezahlt oder in irgendeiner Weise gesponsert. Die Links sind auch keine Affiliate-Links. Ich mache das hier alles freiwillig.

Also, los geht's!

Für Handlettering Einsteiger habe ich zwei grundsätzliche Empfehlungen:

1. Unempfindliches Werkzeug

Nutze zu Beginn Materialien, die nicht allzu empfindlich sind. Es gibt Stifte, die verzeihen einem einiges, andere wiederum eher nicht. Aber gerade die empfindlichen Stifte sind meistens eben nicht die billigsten. Schrotte also lieber zunächst die günstigeren. Glaub mir, da müssen wir zu Beginn alle durch.

2. Allmähliche Steigerung

Steigere dich bei den Typen von Stiften allmählich
  • von hart zu weich
  • von preiswert zu teuer
  • von trocken zu nass

Übung macht den Meister

Ich empfehle folgende Vorgehensweise, um nach und nach einen besseren Zugang zur Buchstabenmalerei zu erhalten.

Phase 1: Stift in die Hand

Welches Schreibwerkzeug auch immer du zuhause herumliegen hast, nutze es zum Ausprobieren. Am Anfang geht es darum, ein erstes Gefühl für die Darstellung und Anordnung von Buchstaben zu entwickeln. Beschäftige dich mit unterschiedlichen Formen und Kompositionen. Heutzutage hält man üblicherweise nur noch selten einen Stift in der Hand. Umso wichtiger ist es, sich zunächst einmal überhaupt (wieder) darauf einzulassen.



Selbsterprobte Beispiele:
  • Bleistift
  • Buntstift
  • Kugelschreiber

Phase 2: Form und Aufbau von Buchstaben

Das charakteristische Grundprinzip beim Handlettering ist, dass abwärts gerichtete Linien stärker betont werden als aufwärts gerichtete Linien. Dieses Prinzip kannst du am besten mit der sogenannten "Faux Kalligraphie" verinnerlichen. Dabei werden abwärts gerichtete Linien nachgefahren oder anderweitig stärker betont.



Selbsterprobte Beispiele:

Phase 3: Schnelle interessante Ergebnisse

Mit gelartigen Stiften können auf Kraftpapier oder schwarzem Papier richtig tolle Ergebnisse erzielt werden. Durch den umgedrehten Kontrast (hell auf dunkel) ist das Erscheinungsbild viel interessanter als beim üblichen Kontrast (dunkel auf hell).



Selbsterprobte Beispiele:

Phase 4: Ran an die pinselförmigen Freunde

Pinselstifte, sogenannte Brush Pens, sind das A und O beim Handlettering. Durch unterschiedlich starken Druck beim Malen der Buchstaben wird der charakteristische Unterschied zwischen aufwärts und abwärts gerichteten Linien erreicht. Bei abwärts gerichteten Linien wird mehr Druck auf die Spitze ausgeübt als bei aufwärts gerichteten.

Ich rate dir wirklich dringend davon ab, dich direkt mit den empfindlichen Brush Pens einzudecken. Probiere dich erst einmal an denjenigen mit höherem Härtegrad. Diese verzeihen eher eine ungeübte Haltung, exzessives Üben und raues Papier. Dennoch freuen auch sie sich über glattes Papier. Auf diesem macht das Üben sowieso viel mehr Spaß, da die Stifte darauf schön gleiten und sich mit einer längeren Lebensdauer bedanken.



Selbsterprobte Beispiele:

Phase 5: Die Sensibelchen unter den Stiften

Sobald du etwas Übung mit den härteren Brush Pens gesammelt hast, kannst du dich an die Mimosen der Brush Pens heranwagen. Für diese ist glattes Papier wirklich, wirklich essentiell. Verwendest du sie auf rauem Papier, wie beispielsweise 0815-Druckerpapier, sind sie innerhalb kürzester Zeit dahin. Die Spitzen fransen aus und es ist vorbei mit dem schönen Effekt der unterschiedlich stark betonten Linien. Doch selbst wenn du geeignetes Papier verwendest, ist es gut möglich, dass durch die noch ungeübte Stiftehaltung die kleinen Sensibelchen relativ schnell Macken bekommen. Daher ist es ratsam, für die erste Übungszeit die günstigeren Varianten zu nutzen und nicht direkt die teuren Marken zu kaufen.



Selbsterprobte Beispiele:

Phase 6: Jetzt wird's nass

Pinsel sind zwar sehr viel robuster als die mimosenhaften Brush Pens, dennoch stehen Pinsel und Wasserfarben bei mir am Ende der Liste. Das hat seine Gründe. Zum Einen benötigt ein weiches Schreibwerkzeug wie ein Pinsel eine geübte Lettering-Hand, zum Anderen ist das entsprechende Papier nicht gerade preiswert. Da mit viel Wasser gearbeitet wird, benötigt man saugfähiges Aquarell-/Wasserfarbenpapier, das sich bei Nässe nicht wellt oder gar zerfetzt wird und das kostet teilweise schon ordentlich. Daher finde ich persönlich diese Technik nicht unbedingt anfängertauglich.

 

Selbsterprobte Beispiele:

Alles subjektiv

Alle Empfehlungen und Materialtipps spiegeln meine ganz persönlichen Erfahrungen wieder. Ich erhebe keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Du startest lieber gleich mit teuren Tombows oder Wasserfarben durch und bist glücklich damit? Auch gut. Bei Handlettering gibt es ohnehin kein richtig oder falsch, sondern nur individuelle Erfahrungswerte.

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Hi, ich bin Aljona alias Frau Lyoner. In diesem Blog berichte ich von meinen Strategien und Erfahrungen im Kampf gegen Gedankenchaos und Unordnung auf meinem Weg zu einem minimalistischen Leben.