Direkt zum Hauptbereich

6 Kategorien von Kleidung, die du getrost aussortieren kannst

Während ich vor dem vollen Kleiderschrank stehe, denke ich mir:
Ich habe nichts zum Anziehen.

Das ist doch echt verrückt. Gut, es gibt sicherlich Menschen, die mehr Kleidung besitzen als ich. Ich bin wahrlich kein Fashion Victim. Aber trotz allem kann ich mich eigentlich nicht beklagen. Am Ende entscheide ich mich dann wieder für die üblichen Verdächtigen.

Wieso trage ich eigentlich ständig die gleichen Sachen? Und warum besitze ich Kleidungsstücke, die fast nur im Schrank hängen? Was hat es mit diesen ewigen Schrankhütern auf sich?


Kleidung, die ich getrost aussortieren kann

Im Zuge des Entrümpelns nach KonMari habe ich mich ganz besonders mit meinen Schrankhütern auseinandergesetzt. Dabei stellte ich fest, dass ich mir selbst ganz schön viele Lügen auftischte. Von diesen Selbstlügen und der dazugehörigen Kleidung handelt folgende Liste.

Selbstlüge Nr. 1: Irgendwann passe ich da wieder rein

Vor 10 Jahren habe ich noch 10 Kilo weniger gewogen. Ich bin ein absoluter Sportmuffel und ich esse gerne. Da mein BMI im Normbereich liegt, habe ich keinen Anreiz, etwas zu ändern. Wie also soll ich je wieder in die zu enge Jeans passen? Also mach's gut, liebe Skinny Jeans!

Wenn du nicht gerade aktiv dabei bist, etwas am Status Quo zu ändern, verbreiten diese zu engen/weiten Kleidungsstücke keine Motivation, sondern nur ein schlechtes Gefühl.

Du hast deine Ernährung umgestellt oder rennst ständig ins Fitnessstudio? Nein? Dann verabschiede dich von den nicht mehr passenden Klamotten.

Selbstlüge Nr. 2: Irgendwann repariere ich das

Wenn es zu deinem persönlichen Stil gehört, in einem löchrigen "Punk's not dead" Shirt rumzulaufen, will ich dich auf keinen Fall davon abhalten. Ist das allerdings nicht der Fall, lausche meinen Worten: Kümmere dich um deine kaputten Kleidungsstücke!

Repariere die Sachen selbst oder lasse sie reparieren - und zwar jetzt!

Aber lass sie nicht weiter im Schrank vergammeln in der Hoffnung, dass Heinzelmännchen auftauchen und das für dich übernehmen. Entschuldige, wenn ich dir jetzt die Illusion raube, aber das wird nicht passieren.

Wenn du die kaputten Klamotten nicht wieder in einen Zustand bringen möchtest, der für dich - Achtung Wortwitz - tragbar ist, dann trenne dich von ihnen.

Ich hatte über einen längeren Zeitraum gleich mehrere löchrige Jeans im Schrank liegen. Als ich festgestellt habe, dass ich sie eigentlich gar nicht mehr tragen wollte, habe ich sie endlich aussortiert. Die Sache mit den Löchern war für mich nur eine gute Ausrede gewesen, sie nicht mehr anziehen zu müssen.

Selbstlüge Nr. 3: Die Sachen kann ich noch daheim tragen

Na, besitzt du auch sogenannte Hausklamotten? Meistens sind das die ungeliebten Kleidungsstücke, die man in der Öffentlichkeit nicht mehr tragen will. Weil sie verwaschen, ausgeleiert oder sogar löchrig sind, werden sie zu Hausklamotten degradiert. Sieht ja niemand, also abgesehen von dir und vielleicht noch den Menschen, die mit dir zusammenleben. Aber was bedeutet dieses Verhalten? Du trägst zuhause also zweitklassige Klamotten, die dir eigentlich nicht mehr gefallen, weil sie ja niemand sieht? Das ist dir gegenüber ganz schön abwertend. Bist du etwa niemand?

Nicht falsch verstehen: Ich liebe meine Jogginghose über alles. Wenn ich abends auf der Couch sitze, fühle ich mich in meiner Jogginghose am wohlsten. Ich besitze auch degradierte Oberteile, die ich nur noch zuhause trage, weil sie nicht (mehr) zu meinem alltäglichen Stil passen.

Das Problem bei Hausklamotten ist nur, dass der Stapel erfahrungsgemäß immer weiter anwächst. Bis er die kritische Masse erreicht, die es unmöglich macht, jedes Stück regelmäßig anzuziehen, wenn man über eine Waschmaschine verfügt. Denn bis Textilien bei guter Lagerung verrottet sind, dauert es eben eine Weile. Trau dich und sortiere die Kleidungsstücke, die dir nicht mehr gefallen, wirklich direkt aus, anstatt sie in die Kleidungsvorhölle der Hausklamotten zu schicken, wo sie bloß ein trauriges Dasein fristen.

Tu dir selbst einen Gefallen und trage auch daheim nur die Kleidung, die dir gefällt.

Diese kann selbstverständlich ganz anders aussehen als deine Alltags- oder Ausgehgarderobe. Wichtig ist nur, dass sie dir wirklich gefällt und du dich darin wohlfühlst. Du solltest es dir wert sein.

Selbstlüge Nr. 4: Das kann ich nicht weggeben, daran hängt mein Herz

Zugegeben, ich besitze mein Hochzeitskleid auch noch. Aber mal ehrlich: Bist du automatisch geschieden, wenn du es weggibst? Hast du damit automatisch alle Erinnerungen an diesen Tag verloren?

Die Erinnerung ist in deinem Gedächtnis gespeichert, nicht in deinem Kleiderschrank.

Kleidung erfüllt ihren Zweck, indem sie getragen wird, nicht indem sie im Schrank lagert. Was bei dir nutzlos rumhängt, kann eine andere Person vielleicht gerade in diesem Moment dringend gebrauchen.
Du musst ja nicht gleich dein Hochzeitskleid weggeben. Vielleicht hast du andere Kleidungsstücke, die du nur aus sentimentalen Gefühlen behältst und nie trägst? Zum Beispiel das Lieblings-Oberteil aus deiner Jugendzeit, das inzwischen so gar nicht mehr zu dir und deinem Stil passt. Wie wäre es, wenn du ein Foto davon machst und das Kleidungsstück selbst aussortierst?

Selbstlüge Nr. 5: Irgendwann denke ich bestimmt nicht mehr daran

Es gibt auch die umgekehrt sentimentalen Kleidungsstücke. Das sind die Sachen, die an ein negatives Erlebnis erinnern und daher bewusst oder unbewusst gemieden werden.

Ich hatte lange Zeit einen Blazer im Schrank hängen, den ich nur ein einziges Mal getragen hatte und danach nie wieder. Warum? Ich hatte diesen Blazer mit einem weinenden Baby verknüpft. Damals hatte ich noch null Ahnung von Kindern und dachte, das Kind gruselte sich vor mir, weil ich in dem Blazer mit den Schulterpolstern furchteinflößend wirkte. Ich konnte das Ding danach nie wieder tragen. Es war gebrandmarkt für mich. Ich weiß, das klingt total albern. Aber manchmal hat man so merkwürdige Assoziationen.

Wenn du Kleidungsstücke nicht trägst, weil sie dich immer an ein schlechtes Erlebnis erinnern, sortiere sie besser aus. Sie verbreiten nur negative Gefühle.

Vielleicht verknüpfst du ein Kleidungsstück mit einem schlimmen Streit oder mit einem furchtbar peinlichen Erlebnis. Oder es erinnert dich an eine traurige Situation oder an einen blöden Kommentar. Was auch immer es ist: Wenn du einfach nicht darüber hinwegkommst, tu dir den Gefallen und trenne dich von den negativ besetzten Sachen. Du verdienst es dich gut zu fühlen.

Selbstlüge Nr. 6: Jeder braucht so ein Teil

Besitzt du Kleidung, die du dir nur gekauft hast, weil du gedacht hast, dass jeder so ein Teil brauche? Wodurch auch immer diese Suggestion entstanden ist, ob durch Werbung, gesellschaftlichen Druck oder familiären Einfluss, aus irgendeinem Grund hast du eine bewusste oder unbewusste Erwartung verspürt, die du erfüllen wolltest.

Asche auf mein Haupt, mir ist das in meinem Leben schon sehr oft passiert, dass ich mir ein Kleidungsstück gekauft habe, das ich im Grunde gar nicht wollte. Ich hatte eine gewisse Vorstellung im Kopf, die ich erfüllen wollte, die aber gar nicht zu mir passte, wie zum Beispiel:
  • Jede Frau braucht eine elegante Bluse.
  • Nur in Schuhen mit hohen Absätzen kann man wirklich schick aussehen.
  • Wenn ein feierlicher Anlass stattfindet, muss ich unbedingt ein feines Kleid tragen.
Das Ende vom Lied war, dass ich die Sachen praktisch nie angezogen habe. Denn ich fühlte mich einfach nicht wohl darin. Ich kann beispielsweise Schuhe mit hohen Absätzen überhaupt nicht ausstehen. Ich kann ja nicht mal darin laufen, ohne ständig dem Risiko ausgesetzt zu sein, mir den Fuß zu verstauchen - ja, das ist wirklich schon passiert. Also standen die Schuhe fast nur im Schuhschrank herum. Absolute Geld- und Platzverschwendung.

Durch das Entrümpeln nach KonMari mit der einhergehenden Frage "Macht mich das Kleidungsstück glücklich?" habe ich erkannt, dass eben diese sogenannten schicken Klamotten keine Freude in mir auslösten. Ich hatte keine wirkliche Beziehung zu ihnen. Sie waren zwar schön, aber sie passten nicht zu mir. Als ich sie gekauft hatte, habe ich unbewusst nicht wirklich mir eine Freude machen wollen, sondern anderen Menschen.

Hast du Kleidung, die du nicht gerne trägst, weil du dich nicht wohl darin fühlst? Dann solltest du dich davon verabschieden.

Es kann auch hochwertige Kleidung sein, die nicht gerade wenig gekostet hat. Überlege ganz genau, ob du sie vielleicht aus einem gewissen Gefühl von Erwartungen heraus gekauft hast. Vielleicht wartest du auch auf den richtigen Anlass, um sie tragen zu können. Du denkst, irgendwann kommt dieser Anlass ganz bestimmt noch und dann bist du gewappnet. Aber ich sage dir: Irgendwann kommt nie.

Wohin mit aussortierter Kleidung?

Egal wohin, nur bitte nicht in die Mülltonne damit. Es gibt genug Menschen, die sich über deine ausrangierte Kleidung freuen würden.

Ein paar Möglichkeiten, um aussortierte Kleidung loszuwerden:
...und falls die Sachen wirklich schon in einem schlimmen Zustand sein sollten, gibt es immer noch Altkleidercontainer.

Los geht's!

Jetzt steht der Frühling an. Die perfekte Gelegenheit, um sich mit den ungetragenen Winterkleidungsstücken auseinanderzusetzen und sich schon einmal Gedanken zu machen, ob man sich wirklich auf alle Sachen der wärmeren Saison freut.

Hat dir der Artikel gefallen?

Dann teile ihn doch mit deinen Freunden und/oder hinterlasse mir einen Kommentar!

Hi, ich bin Aljona alias Frau Lyoner. In diesem Blog berichte ich von meinen Strategien und Erfahrungen im Kampf gegen Gedankenchaos und Unordnung auf meinem Weg zu einem minimalistischen Leben.